Dispo- und Überziehungszinsen
Banken sahnen ab wie noch nie |
| presseinfo der Verbraucherzentrale Bremen |
Überdurchschnittlich hohe Zinssätze in Bremen / Negativ-Auszeichnung „Goldene Nase“ für die Commerzbank
Banken und Sparkassen können sich derzeit zu rekordniedrigen Zinsen refinanzieren. Während sie das niedrige Zinsniveau an ihre Sparkunden vollständig weitergeben, passen sie ihre Kreditzinsen nur unzureichend an. Besonders zählebig vollzieht sich die Zinsanpassung bei den Überziehungskrediten. Berechnungen der Verbraucherzentrale Bremen zeigen: Allein im Zeitraum von Dezember 2008 bis April 2010 sind Bankkunden in Deutschland mit überhöhten Dispo- und Überziehungszinsen um 777 Mio. Euro geschädigt worden. Eine Erhebung für Bremen zeigt:
In der Stadt liegen die Zinssätze sogar noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Besonders kundenunfreundlich agiert die Commerzbank: Obwohl selbst nur mit milliardenschwerer Hilfen des Steuerzahlers gerettet, langt sie besonders kräftig hin, wenn Kunden in finanziellenEngpässen sind. Die Verbraucherzentrale Bremen hat ihr dafür jetzt die Negativ-Auszeichnung „Goldene Nase“ verliehen. Die Verbraucherzentrale sieht zudem dringenden Handlungsbedarf für den Gesetzgeber: „Die Höhe der DispoundÜberziehungszinsen muss gesetzlich gedeckelt werden“ fordert Irmgard Czarnecki, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Bremen.
Der Bundesgerichtshof hat schon seit Jahren gerügt, dass Banken und Sparkassen ihre variablen Zinssätze nach Gutsherrenart anpassen oder auch nicht anpassen. „Vor allem bei den Zinssätzen, die Kunden für eingeräumte oder geduldete Überziehung ihres Girokontos zahlen müssen, hat sich das Gros der Institute bislang jedoch nicht darum geschert“, kritisiert ArnoGottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Erst mit der Umsetzung der neuen Kreditrichtlinie per 11. Juni 2010 müssten sie jetzt unweigerlich einen Referenzzins benennen, an dem die Kunden überprüfen können, ob die Zinsen im Zeitablauf richtig angepasst werden.
Schäden von 777 Mio. Euro für Bankkunden
Die meisten Institute wählen nach den Feststellungen der Verbraucherzentrale dafür einen Geldmarktzins, der im Handel unter Banken gezahlt wird, den so genannten 3-Monats-Euribor. Zieht man diesen Referenzzins heran, dann zeigt sich: Seit Oktober 2008, nach Ausbruch der akuten Finanzkrise, ist der 3-Monats-Euribor um über vier Prozent gefallen. Die Zinssätze für Überziehungskredite sind im Durchschnitt aber gerade einmal um 1,7 Prozentpunkte gesunken. In den Jahren 2003 bis 2006 lag der Abstand zwischen dem durchschnittlichen Überziehungszins und dem 3-Monats-Euribor ziemlich konstant bei knapp acht Prozentpunkten. Inzwischen hat er sich auf 9,3 Prozentpunkte ausgeweitet. Die Berechnungen derVerbraucherzentrale Bremen zeigen: Bei einem Kreditvolumen von über 40 Mrd. Euro bedeutet das allein im Zeitraum von Dezember 2008 bis April 2010 einen finanziellen Schaden von 777 Mio. Euro für die Bankkunden.
Verbraucherzentrale fordert Deckelung der Zinssätze
Mit der Umsetzung der Kreditrichtlinie zum 11. Juni schicken sich die Geldinstitute jetzt an, die Pfründe ihrer unzureichendenZinsanpassungen dauerhaft zu sichern. Nachdem sie jahrelang die Einführung eines Referenzzinssatzes verweigert haben, wollen sie jetzt den aktuellen Rekordabstand zwischen den Geldmarktzinsen und den Dispo-Zinsen für die Zukunft festschreiben.
„Es kann nicht sein, dass der Gesetzgeber diesem offenkundigen Marktversagen und Absahnen der Banken tatenlos zusieht“,kritisiert Irmgard Czarnecki. Sie fordert eine gesetzliche Deckelung der Dispo- und Überziehungszinsen und schlägt dafür eine Anlehnung an den gesetzlichen Verzugszins vor: Basiszins plus fünf Prozentpunkte; aktuell wäre das ein Dispo-Zinssatz von 5,12 Prozent. Mehr sollten die Banken für eingeräumte Überziehungen des Girokontos nicht verlangen dürfen. Bei geduldeten Überziehungen sollte die Höchstgrenze bei acht Prozentpunkten über dem Basiszinssatz liegen. Die Verbraucherzentrale Bremen hat nicht nur die Statistik der Bundesbank ausgewertet, sondern auch eine eigene Erhebung der Dispo- und Überziehungszinsen in Bremen durchgeführt. Ergebnis: In der Hansestadt liegen die Zinssätze für Dispo-Kredite um gut 2,5 Prozentpunkte über den durchschnittlichen Überziehungszinsen, die die Bundesbank bundesweit ermittelt hat.
„Goldene Nase“ für Commerzbank
Dabei fallen einige Banken als besonders kundenunfreundlich auf: Die Satander Consumer Bank und die Targo-Bank (ehemals Citibank) verlangen nicht nur die mit Abstand höchsten Zinssätze für eingeräumte Überziehungen. Sie haben es auch nicht für nötig gefunden, ihre Zinssätze auch nur um einen Promille an das stark gesunkene Zinsniveau anzupassen Für besonders anstößig hält die Verbraucherzentrale darüber hinaus die Geschäftspolitik der Commerzbank. Sie selbst konnte nur mit milliardenschweren Hilfen des Steuerzahlers vor der Pleite gerettet werden. Gegenüber Kunden, die infolge finanzieller Engpässe ihren eingeräumten Dispo überziehen, kennt sie jedoch kein Mitleid: Mit effektiv 20,1 Prozent langt sie zu, wenn Kunden ihr Limit überschritten haben. Und mit diesem exorbitanten Zinssatz nicht genug: Für jeden Zahlungsvorgang im Betrag von über 100 Euro, den der Kunde bei Überziehung veranlasst, werden obendrein fünf Euro kassiert. Die Verbraucherzentrale Bremen hat der Commerzbank dafür ihre Negativ-Auszeichnung „Goldene Nase“ verliehen - als „Preis für eine besonders dreiste Geldschneiderei zu Lasten von Verbrauchern“, so Irmgard Czarnecki. Irmgard Czarnecki sieht die Commerzbank auch in weiterer Hinsicht als warnendes Beispiel an: „Die Bank bietet seit geraumer Zeit ihre Girokonten zum Nulltarif an. Die hohen Überziehungszinsen zeigen aber, dass die Kunden nicht allein auf die Kontoführungsgebühren achten sollten.“ Die Geschäftsführerin kündigte an, dass die Verbraucherzentrale Bremen einen Musterprozess gegen Banken unterstützen werde, die ihre Überziehungszinssätze nicht korrekt an das gesunkene Zinsniveau angepasst haben. Sie sucht dafür geeignete Fälle und ermuntert betroffene Verbraucher, sich bei der Verbraucherzentrale Bremen zu melden. |
| ID: |
45729 |
| Erscheinungsdatum: |
09.06.10 |
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Erzeugt: 14.07.10. Letzte Änderung: 14.07.10. Information zum Urheberrecht der angezeigten Inhalte kann beim Institut für Finanzdienstleistungen erfragt werden. Aus fehlenden Angaben kann kein Recht zur freien Nutzung der Inhalte abgeleitet werden. |