Die Finanzkrise, durch die Bankrisiken auf Staat, Arbeitnehmer und Verbraucher wohl angesichts aktueller Rekordgewinne dort endgültig verschoben werden konnten, ist noch nicht vorbei, da setzt Schwarz-Gelb in der Koalitionsvereinbarung die Deregulierung der Finanzmärkte fort: die Verwandlung von allem, was der Wohnungsmarkt braucht, in Aktien, um deren shareholder value zu erhöhen.
REITS
REITS, Real Estate Investment Trusts, oder einfacher Wohnungsinvestmentfonds, investieren nach der Freigabe durch die Koalition in Wohngrundstücke, Wohn-Immobilien, Hypothekenkredite und verkaufen oder vermieten sie. In Deutschland haben sich bei den Gewerbeimmobilien, für die sie allein bisher zugelassen wurden, allein zwei Gesellschaften gebildet: alstria office REIT-AG und Fair Value REIT-AG, wobei der Name des zweiten Fonds schon die Achillesverse ("fair value") deutlich macht.
Im Grundstücksmarkt ist nämlich der faire Wert kaum feststellbar. In den USA, England und Spanien verdoppelten sich binnen kurzer Zeit die Grundstückspreise und sanken wieder in sich zusammen. Das ist ein ideales Feld für Spekulanten. Für Anleger ohne Insiderwissen ist es eine gefährliche Angelegenheit, weil sie schon jetzt bei den offenen Immobilienfonds, die allein mit Grundstücken handelten, viel Geld verloren.
Die REITS gehen aber noch einen Schritt weiter. Hier muss kein Wert mehr nachgewiesen werden. Den Wert bestimmt die Börse. Alles was Geld bringt kann hier geparkt werden, jede Praktik der Gelderzielung auf dem Wohnungsmarkt misst sich nur nach darin, welchen shareholder value sie hervorbringen kann.
Traurige Berühmtheit haben in Deutschland auch die geschlossenen Immobilienfonds erreicht. Hier wurden von HypoReal Estate und Bayerischer Hypo renovierte Plattenbauten eingelagert und dann die Anteile daran an ahnungslose Rentner auf Kredit verkauft mit dem Versprechen, man könne hier durch Steuerersparnis und mit einer fingierten Vermietungsgarantie gratis eine Rente bekommen. Ca. 300.000 Haushalte wurden auf diese Weise mit Schrottimmobilien geschröpft.
Immerhin hätten die Anleger theoretisch sich ja noch die Wohnungen in den Fonds anschauen können. Bei den REITS geht das nicht mehr. Da kann man auch heiße Luft einlagern, Hauptsache, die Aktie handelt sich.
Ausschlachten des Wohnungsmarktes durch Lonestar?
Zum Trost wird darauf verwiesen, dass in solche Black Boxes ohnehin kein Verbraucher investieren wird. Es seien große institutionelle Investoren, die man hier erwartet. Man hofft also auf Lonestar und Cerberus, auf Lehmann Brothers (wäre sie nicht gerade abgewickelt worden) sowie Investoren vom Kaliber der HSH Nordbank oder SachsenLB. Doch bei den Hedgefonds wissen wir, dass deren Investitionen ja nur mit dem Kredit deutscher Banken erfolgte, die dann gerettet werden mussten. Außerdem hatten die Investoren die Risiken gar nicht mitübernommen. Das können wir auch bei den REITS erwarten, wenn dort erst einmal der Rest der unverkäuflichen und überbewerteten Wohnimmobilien eingelagert wurde. Die Zertifikate auf die REITS werden wieder staatlich gedeckte Banken übernehmen, die in der nächsten Krise mit Steuergeldern gerettet werden.
Es passiert also genau das, was die Subprime Krise ausmachte. Dort wurden Hypothekenkredite auf überbewertete Häuser in Fonds eingelagert und deren Risiken zu Rekordgewinnen auf den Märkten gehandelt. Dies hatte zunächst zu einem extremen Druck geführt, diese Wohnungen in Geld zu verwandeln. Zwangsräumungen, vandalistische Suche nach Wertgegenständen (Kupferrohre) zum Ausschlachten, Wuchermietversuche, Überbelegung, Beschäftigung von Slumlords. Als das nicht genug brachte, brachen die Banken zusammen und mussten vom Staat gerettet werden.
Doch die Hedgefonds haben dazugelernt. Sie werden begeistert mit dem Kredit deutscher Banken die Aktien kaufen doch die Kurssicherung beim Verkäufer lassen. Kurzfristig werden sie zusammen Traumgewinne machen können, langfristig darf sich der Steuerzahler angesprochen fühlen.
Gefragt ist der Kleinanleger und Steuerbetrug
Doch letztlich zirkulieren die Schrottimmobilien jetzt schon seit 20 Jahren ohne Problemlösung in den Finanzmärkten. Von den dubiosen Investoren auf die Banken und von diesen auf den Staat: so verschoben sich die Risiken. Doch die Grundstücke gibt es weiter. Niemand hat sie bisher saniert oder aus dem Markt genommen oder für Wertpapiere gesperrt. Weiterhin geistern sie in Scheinbilanzen herum, die davon leben, dass kein Markt mehr existiert.
Sie warten auf den Kleinanleger, der zuerst die Schrottimmobilien direkt auf Kredit kaufte, sich dann die Anteile an den geschlossenen Immoblienfonds auf Kredit andrehen ließ und jetzt hochoffiziell dieselben Grundstücke noch einmal in Form einer Aktie direkt oder innerhalb von Investmentfonds erwerben darf. Damit das auch funktioniert, hat die Regierung das wichtigste deutsche Mittel im betrügerischen Anlagemarkt, die Steuerersparnis, gleich mitgeliefert.
REITS werden nicht besteuert. Sie dürfen steuerfreie Traumgewinne ausweisen. Das sei nötig, um sie am Markt einzuführen, meint die CDU. Besteuert werden die Gewinne dann erst nach Ausschüttung beim Anleger. Eine staatlich verordnete Täuschung und Wettbewerbsverzerrung.
Die zwei Seiten der FDP
Wer das Auftreten der FDP Größen um Gerhard Baum bei der Aufarbeitung der Schrottimmobilien und dessen neuestes lesenswertes Buch (erschienen 18.9.2009) "Abkassiert - Die skandalösen Methoden der Finanzbranche" gerade zum Bereich Schrottimmobilien durchgeht, muss zu dem Schluss kommen, dass entweder dieser Flügel der FDP nichts mehr zu sagen hat oder aber die FDP mit gespaltener Zunge sprechen will. Wer sich die Grundrechte zum Markenzeichen macht kann auf das Grundrecht auf Schutz der Verbraucher nicht verzichten.
Fazit: Der Kasinokapitalismus bekommt neue Chips |